Wie alles begann

Kartoffeldruck in Vollendung!

Bis heute frage ich mich, welche Linie meiner Familie meine schriftstellerischen Neigungen zu verantworten hat.
Soweit ich das überblicken kann, war weder auf Seiten meiner Mutter jemand, der sich in dieser Richtung hervorgetan hat, noch findet sich ein wortgewandter Schreiberling auf der Ahnentafel meines Vaters. Handwerklich waren die meisten aus meiner Familie dagegen recht gut. Mit Werkzeugen und Werkstoffen aller Art konnten sie umgehen. Und sie waren zum großen Teil sehr sportlich.
Sport war nie so mein Ding. Auch nicht das meines Vaters, der wiederum als einziger mir bekannter Familienangehöriger ein gewisses musisches Talent an den Tag gelegt hat, spielte er doch auf allen erdenklichen Festen die Ziehharmonika. Möglich, dass da etwas bei mir hängengeblieben ist. Etwas grundsätzlich Musisches, meine ich.
Wie auch immer, der Drang, mich künstlerisch zu verwirklichen, trieb mich schon in frühester Jugend an, auch wenn ich nicht wusste, wohin die Reise gehen sollte. Nur eins war mir klar – ich wollte etwas schaffen, was einzigartig war und das meinen Namen trug.  Ohne dass ich es damals hätte klar benennen können, wusste ich doch, es waren immer die geschriebenen Worte, die mich faszinierten – Worte, die ich zu meinen Texten zusammenstellen konnte, Texte, die meine Gedanken widerspiegelten.
Ich muss zugeben, die ersten Gehversuche in diese Richtung muten heute, nach weit mehr als fünfzig Jahren, schon etwas merkwürdig an. Um folgende Geschichte geht es dabei:

Ich war vielleicht sieben oder acht Jahre alt, als ich auf die Fix und Foxi-Comics von Rolf Kauka stieß. Vom ersten Moment an war ich fasziniert und wurde glühender Fan der beiden kleinen Füchse. Ich liebte Lupo, Lupinchen, Oma Eusebia, Knox, Onkel Fax und all die anderen Figuren. Vor allen Dingen aber war ich nicht allein mit meiner Begeisterung. Ich teilte sie mit zwei Freunden – und zu dritt waren wir genug, um einen Fix und Foxi-Club zu gründen.
Die Clubgründung war eine folgerichtige Entscheidung,  denn so wurden wir Mitglieder der großen Fix und Foxi-Familie, hatten Anteil an all den interessanten und spannenden Dingen, die einem auf den jeweils letzten Seiten der Comic-Hefte schmackhaft gemacht wurden.
Wir riefen also den FFC-Lichtenstein ins Leben. Der Lichtenstein, das waren der Berg und das Waldareal unweit meines Elternhauses, unser bevorzugter Outdoor-Spielplatz. Hier suchten wir Schätze, fochten unsere Cowboy und Indianer-Kämpfe aus, fuhren im Winter mit dem Schlitten die Waldwege hinunter oder brachten den hungernden Tieren Eicheln und Kastanien, die wir im Herbst gesammelt hatten – zumindest mit dieser letztgenannten Wohltat befanden wir uns im Einklang mit den hehren Zielen eines Fix und Foxi-Clubs.
Was wir allerdings noch brauchten, war eine Clubzeitschrift! Alles, was wir taten und planten, was uns an den neuesten Fix und Foxi-Heften gefiel oder missfiel – das musste für uns, unsere Freunde und die Nachwelt in schönen Bildern, und vor allen Dingen, Worten, festgehalten werden. Fand ich. Den anderen beiden Club-Mitgliedern war es egal. Mir nicht! Ich wollte diese Zeitschrift! Unbedingt! Und ich wollte die Texte schreiben!
Es musste ein professionelles Druckwerk werden, so viel stand für mich fest. Also nichts Handgekrakeltes in einem Schulheft oder so. Dumm nur, dass ich keinen blassen Schimmer hatte, wie so etwas in die Tat umzusetzen war.
Dann kam ich auf die Idee mit dem Kartoffeldruck (vermutlich in Folge einer Bastelanleitung im Kauka-Comic) – und meine Absicht, eine Clubzeitschrift zu produzieren, hatte sich mit den ersten Versuchen, einer aufgeschnittenen Kartoffel Buchstaben spiegelverkehrt einzuritzen, erledigt.
All die schönen Texte, die ich hatte schreiben wollen, die aufrüttelnden Statements, die flammenden Apelle, die kleinen Anekdoten – sie mussten in meinem Kopf bleiben, würden nie die begeisterten Leser erreichen.

Auch wenn es damals keine Clubzeitschrift gegeben hat und ich über viele Jahre keinen weiteren Gedanken daran verschwendete, irgendwelche selbstverfassten Texte zu Papier zu bringen, so scheint dieser kurze Lebensabschnitt als Fix und Foxi-Fan doch für meine spätere Berufung verantwortlich gewesen zu sein. Der Wunsch, kreativ zu schreiben, hat mich seit jenen Tagen nie mehr losgelassen, unabhängig davon, wie offen er zutage trat. Ohne Zweifel war der damals so hoffnungslose Versuch, eine Zeitschrift zu gestalten, der Grundstein für mein späteres schriftstellerisches Schaffen gewesen.

 

Schreibe einen Kommentar