Rock’n’Sign

„Dustpipe“ mit Autor. Merke: Der Schriftsteller ist der, der als einziger ein Instrument in Händen hält 🙂

Das wollte ich ja schon lange mal machen – einen Krimi schreiben, in dem eine regionale Coverband die zentrale Rolle spielt.
In meinem aktuellen Harz-Krimi „Drei freundliche Tage und ein Todesfall“ habe ich meine Absicht endlich in die Tat umgesetzt und die Harzer Status-Quo-Coverband „Paper Plane“ erfunden, in deren Dunstkreis sich einige recht unschöne Dinge ereignen.

Ich hatte bereits etliche Seiten des Manuskripts geschrieben, als mir plötzlich bewusst wurde, dass meine Musiker von „Paper Plane“ ein ganz reales Vorbild in der Region haben, nämlich „Dustpipe“, eine Band, die bundesweit auch als „Tribute to Status Quo Band“ die Bühnen rockt.
Keine Frage, dass ich wissen wollte, ob die Jungs mir einen Blick hinter die Kulissen erlauben und ein wenig über ihr Backstage-Leben preisgeben werden. Einfach, damit ich „Paper Plane“ möglichst authentisch darstellen konnte. Aber ich hatte so meine Zweifel, was die Auskunftsfreudigkeit betrifft. Manche Typen sind da ja nicht ganz so gesprächig.

Zum Glück verbindet mich mit Jörg „Kiwi“ Kiwitt, dem Bassisten der Band, eine jahrzehntelange Bekanntschaft, seit wir uns  Mitte der 1970er Jahre gemeinsam auf einem Bauernhof, im Übungsraum über den Schweineställen, mit Coversongs herumgeschlagen haben. Mit unserer Band „Pigs on the Farm“. Aber das ist eine andere Geschichte.
Ich gab damals jedenfalls schon kurze Zeit später meine Musikerkarriere auf. Kiwi hingegen blieb bei der Stange und macht bis heute die Bühnen der Nation unsicher. Also habe ich ihn in mein Buchprojekt eingeweiht und ein bisschen über seine aktuelle Band ausgehorcht. Und natürlich haben wir auch in Erinnerungen an die gemeinsame Musikerzeit geschwelgt. Ich fand es erstaunlich, dass die Mitglieder einer Band wie „Dustpipe“ heute, über 40 Jahre später, immer noch fast genauso ticken, wie wir früher. Ein Haufen eingeschworener Freunde, die nicht nur die Liebe zur Rockmusik miteinander teilen.

It’s showtime – Dustpipe

Kurz und gut – „Dustpipe“ wurde zur Patenband von „Paper Plane“. Außerdem habe ich den „Dustpipern“ Rainer, Mathe, Tobi und Kiwi im Schlusskapitel des Buches eine kleine Rolle zugeteilt. Ihnen ein literarisches Denkmal gesetzt, sozusagen. Eine gute Entscheidung, denn die Jungs sind begeistert. Logisch, welche Rockband findet sich schon in einem Krimi wieder?

Nun ist mein „Neuer“ seit gut einem Monat auf dem Markt und die Dustpipe-Musiker werden nicht müde, die Werbetrommel für „Drei freundlichen Tage und ein Todesfall“ zu rühren.  Zu ihren Konzerten schleppen sie immer einen Karton voller Bücher mit und preisen den Krimi stolz unter Hinweis auf ihre „Komplizenschaft“ an.
Was soll ich sagen? Ich bin echt angetan von so viel Engagement und freue mich, auf diesem Weg eine ganz neue Lesergemeinde zu erreichen. Das nenne ich mal eine echte Win-Win-Situation!

Rockin‘ all over the world – Rainer, Mathe, Tobi und Kiwi (vlnr)

Gerade erst hatte ich das ungewohnte Erlebnis einer Signierstunde gemeinsam mit der Band während eines Konzerts. Herrlich, zu sehen, wie Leute aus dem Publikum den Weg zum Merchandising-Stand fanden und dann erstaunt feststellten, dass dort auch Bücher zum Verkauf angeboten wurden. Nicht nur CD’s, DVD’s und Bandidentität stiftende Klamotten. Und hinter dem Tisch hockt auch noch der Buchautor himself mit seinem Kugelschreiber, wild entschlossen, sich mit seiner Signatur im Buch zu verewigen. Das muss man als erfahrener Rock-Konzert-Besucher erst einmal verdauen.
Aber auch für den Autor ist eine solche Situation gewöhnungsbedürftig! Er muss sich und das Buch erklären! Umso schöner, wenn die Person ihm gegenüber dann plötzlich neben ihrem Faible für Rockmusik auch ihre Liebe zum Buch/Krimi/Harzkrimi entdeckt.
Welchem Schriftsteller ist so etwas schon vergönnt?

 

2 Kommentare

  • Ich habe heute die letzten 50 Seiten verschlungen. Es war/ist eine tolle und doch mörderische Geschichte.
    Prädikat empfehlenswert. 👍🏻

Schreibe einen Kommentar