Nur ein Hobby?

Viel ist schon darüber geschrieben worden. Dennoch möchte ich das Thema „Schriftstellerei“ noch einmal aus meiner persönlichen Sicht beleuchten.

In meinem Elternhaus, und wahrscheinlich nicht nur da, galt: Ein ordentlicher Beruf zeichnet sich dadurch aus, dass man nach einer dreijährigen Lehre etwas mit seiner Hände Arbeit erschaffen kann, etwas, das man sieht und wovon man eine Familie ernähren kann – also, ein Handwerksberuf. Auch als Lehrer hatte man in der Regel die elterliche und gesellschaftliche Anerkennung, oder als sonstiger Beamter auf irgendeiner Behörde.

So abwegige Neigungen, wie zum Beispiel das Musikmachen, die Malerei oder gar die Schriftstellerei hingegen wurden belächelt als etwas, dem man vielleicht in seiner Freizeit frönen konnte. Obwohl es sicher „anständigere“ Hobbys gab. „Warum spielst du nicht Fußball, wie die anderen Jungs?“, war so eine Frage angesichts meiner unverständlichen Vorlieben.

Solch eine skeptische Blickweise auf meine künstlerischen Faibles ließ bei mir erst gar nicht den Wunsch wachsen, eine entsprechende Ausbildung anzustreben, zumal ich mir meiner eigenen Fähigkeiten auch überhaupt nicht  sicher war und von keiner Seite Bestätigung bekam.

Also wurde aus mir jemand, der einen „vernünftigen“ Beruf  nicht nur erlernte, sondern sogar studierte. Als Ingenieur im öffentlichen Dienst hatte ich zumindest die Gewissheit, dass ich nicht am Hungertuch nagen musste.

Vermutlich ging und geht es vielen so, die sich ihren Weg hin zu ihrer eigentlichen (künstlerischen) Bestimmung erst über einen langen Zeitraum erkämpfen mussten und ihre Leidenschaft dann nur parallel zu ihrem Brotberuf ausüben konnten oder können.

Nichts desto Trotz ist das, was man dann in den Pausen, nach Feierabend, am Wochenende oder im Urlaub schafft (unter sträflicher Vernachlässigung der Familie – sofern man eine hat), mit Arbeit verbunden. Es ist ernsthafte, gewissenhafte Arbeit, die Zeit und Energie und hier und da auch Geld kostet. Es ist Arbeit, die in den allermeisten Fällen sogar großen Spaß macht. Andernfalls würde man sich wohl kaum so lustvoll selbst ausbeuten. Und diese Arbeit darf auch Spaß machen – wie überhaupt die Arbeit ganz allgemein und der Spaß daran in keinem Widerspruch stehen! Eine Tatsache, die immer noch viel zu oft belächelt und mit Unverständnis und Spott kommentiert wird.

Egal, ob man unter Qualen oder mit Freuden schreibt, Schriftstellerei ist letztendlich Arbeit, die ihr Geld wert ist – sofern man damit an die Öffentlichkeit geht.

Und dennoch wird die Arbeit, die man zum Beispiel in ein Buch steckt, bevor es schließlich erscheint, noch viel zu selten gewürdigt und oft genug wird der berechtigten Berufsbezeichnung „Schriftsteller“ schnell ein „Hobby“ vorangestellt. Man verschwindet dann als „Hobby-Schriftsteller“ wieder in der Schublade mit all denjenigen, die man nicht ganz so ernst nehmen muss – es sei denn, man ist einer der großen Schreibkünstler aus dem angelsächsischen oder nordeuropäischen Raum. Als vermeintlich „kleiner Schreiberling“ aus dem Harz hingegen hat man kaum eine Chance, da mitzuhalten.

Während meiner „Künstlerkarriere“ musste ich oft genug erfahren, dass nicht jeder bereit ist, die geleistete Arbeit anzuerkennen. Wie gering die Wertschätzung zuweilen ist, lässt sich auch daran ablesen, dass potentielle Lesungs-Veranstalter nicht immer gewillt sind, ein annähernd faires Honorar zu zahlen – jedenfalls nicht denjenigen, die auf der Spiegel-Bestsellerliste fehlen. Viele meiner Leidensgenossinnen und -genossen werden den oft zitierten Ausspruch kennen: „Warum Honorar? Wenn Sie bei mir lesen dürfen, ist das doch Werbung für Sie.“

Zusätzlich schwierig wird es, wenn manche Kolleginnen und Kollegen ihr Schreiben tatsächlich „nur“ als Hobby sehen und, so mein Eindruck, gerne mal einfach so zum Spaß aus ihren Werken vorlesen – höchstens gegen ein kleines Entgelt für das verfahrene Benzin. Ein gefundenes Fressen für Veranstalter, aber ein großer Nachteil für Autoren mit Honoraranspruch.

Aus diesen Low-Budget-Lesungen nämlich entwickelt sich ganz schnell der Honorarmaßstab, an dem sich alle anderen zu orientieren haben, sofern sie nicht zu den Großen der Szene gehören.  Friss oder stirb!, heißt es dann eben. Ist ja eh kein anständiger Beruf, die Schreiberei. Ist doch nur ein Hobby. Sei froh, wenn du durch mich, den Veranstalter, noch ein wenig Werbung bekommst! Ach ja …

Rückblickend kann ich wohl von Glück sagen, dass ich etwas „Anständiges“ gelernt habe, das mich vermutlich bis an mein Lebensende ernähren wird.

Mein Beruf jedoch – meine Berufung – ist es, Bücher zu schreiben. Eine Arbeit, an der ich unbändigen Spaß habe. Und eine Arbeit, die ihr Geld wert ist.

Bücherschreiben ist eben nicht „nur“ ein Hobby!

 

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